|
|||
|
Theologie BISER, Eugen:
Gott im Horizont des Menschen. Hg. v.
Peter JENTZMIK. Limburg: Glaukos 2001.
192 S. Br. €
14,90. Das Büchlein versammelt eine Reihe von meisterhaften Beiträgen des
Theologen Eugen Biser, der bis 1989 den
Guardini-Lehrstuhl für Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie an
der Münchener Universität innehatte und der am 6. Januar 2003 in geistiger Frische seinen 85. Geburtstag begehen konnte. Die einzelnen Aufsätze sind
thematisch miteinander vernetzt und ergeben insgesamt ein konzises Panorama von
Bisers Grundideen, die auf geistige und politische Entwicklungen der Gegenwart
bezogen sind. So entsteht eine theologische Zeitdiagnose, welche die Gottesfrage
und das Christus-Geheimnis ins Zentrum rückt. Im einzelnen befaßt er sich mit
dem epochalen Gestaltwandel des Unglaubens, dem „ozeanischen Atheismus"
und reflektiert auf diesem Hintergrund unter der Überschrift „Licht und
Finsternis" das christliche Gottesbild. Das Besondere dieses Gottesverständnisses besteht in der Botschaft eines
Gottes der Liebe, deren Positivität Biser zum einen gegen den exegetisch
forcierten Eintrag der Gerichts- und Opferthematik verteidigen und zum anderen
mit dem „politischen und mystischen Zeitgeschehen" synchronisieren möchte.
Gegenüber dem ambivalenten,
„zwischen Schrecken und Faszination oszillierenden Gott der
Menschheitsgeschichte" (54) hebt
Biser die religionsgeschichtlich innovative „Entdeckung des bedingungslos
liebenden Gottes" durch Jesus hervor und beklagt zugleich den mangelnden
theologischen Zeitbezug hinsichtlich des Freiheitsjahres 1989. Im „Aufriß einer therapeutischen Theologie" fordert er eine
Selbstkorrektur der Theologie, welche verlorene Dimensionen wiedereinholen müsse:
darunter die ästhetische, soziale und therapeutische. Denn die christliche
Religion habe ihr Zentrum in der Auferstehungsbotschaft, die es mit der Überwindung
des Todes und der Angst aufnehme und in aller Sinnlosigkeit Sinn vermittle, bis
hin zum Sinn des Leidens. Gegenüber der Dominanz der historisch-kritischen
Methode plädiert Biser im Anschluß an die paulinische Christus-Mystik für
eine „Christus-Hermeneutik", die in einem Denken mit und in ihm besteht
und einen Perspektivenwechsel darstellt. Das Buch klingt im wahrsten Sinn des
Wortes aus mit der Frage nach einem „musikalischen Gottesbeweis",
entfaltet am Schlußchor der neunten Symphonie Ludwig van Beethovens. In allen Beiträgen sucht Biser das kritische Gespräch mit Theologen wie
Soeren Kierkegaard, mit Philosophen wie Karl Jaspers und Friedrich Nietzsche,
aber auch mit Literaten und Musikern. Vor allem aber sind all seine Beiträge
immer biblisch grundiert. Bei den Kirchenvätern ist Biser in manche Zitate so
verliebt, daß sie öfter auftauchen (Gregor von Nyssa, 40, 115, 152). Die geschliffenen und anregenden Texte Bisers werden
in einer gediegenen und vorbildlichen Aufmachung präsentiert, die eigene Erwähnung
verdient. Ergänzt werden sie durch eine im selben Verlag erschienene CD,
die einen magistralen Vortrag Bisers zur Friedensthematik enthält.
Durchgehend plädiert Biser für ein Verständ
nis des Christentums als einer „mystischen Religion", nicht
einer moralischen Religion. Darin wird man ihm ebenso zustimmen wie in seiner
theologischen Konzentration auf die innovative, das Gottesbild
revolutionierende Reich-Gottes‑Botschaft Jesu und auf die tod- und angstüberwindende
Auferstehung Jesu. Daher wird man das Büchlein in der epochalen Situation mit
zeitdiagnostischem und theologischem Gewinn lesen.
Michael Sievernich SJ |
|||
|
(entnommen aus: Stimmen der Zeit, 04/2002, S. 281) |
Um zurück zu den Büchern zu gelangen, schließen Sie bitte dieses Fenster.